Ein Blick zurück in die Saab Vergangenheit. Der letzte Saab der Saab-Scania Ära, vor dem Einstieg bei GM, war der Saab 9000. Entwickelt ab 1979 kam er 1985 auf den Markt. Der erste Beitrag von Saab für die automobile Oberklasse wurde in den Grundzügen als Tipo4 Projekt zusammen mit dem Fiat Konzern als Basis für Lancia Thema, Fiat Croma und Alfa 164 entwickelt.

Typisch Saab: Schweinwerfer Reinigung

Der gemeinsame Weg der beiden Konzerne trennte sich recht bald wieder, so dass der Saab 9000 mit den italienischen Verwandten nur die Scheiben, Türen und einige wenige andere Karosseriebauteile gemeinsam hatte. Allerdings ist auch hier Türe nicht Türe. Alle Saab haben in den Türen einen Aufprallschutz, die Autos des Fiat Konzerns aber nicht.

Der 9000 ist als 5-türiges Fließheck oder als 4-türige Limousine verfügbar. Während der Saab typisch langen Bauzeit wurde der 9000 permanent weiterentwickelt. Waren die ersten Baujahre noch rostanfällig, so änderte sich dies ab 1991 und ab 1995 waren Teile der Karosserie verzinkt. Im Jahr 1992 wurde die Saab Direktzündung „Trionic“ als Saab Innovation eingeführt. Über einen 32 bit Mikroprozessor wird Einspritzung, Ladedruck und Zündung geregelt.

Saab 9000 Karosserie und Innenraum

Der 9000 galt nicht ohne Grund in den USA als „Large Car“. Im Punkt Raumökonomie ist er unschlagbar und bietet mit 4,76 Meter Fahrzeuglänge beim 5-türer im Innenraum verschwenderisch viel Platz. Obwohl kürzer und schmäler als der Nachfolger, der Saab 9-5, findet man im 9000 beachtliche 14 Zentimeter mehr Breite im Innenraum. Die Karosserie ist hervorragend verarbeitet und macht bewußt auf welch hohem Niveau in Trollhättan damals Autos gebaut wurden.Rost ist wie gesagt ab den 90er Jahren nicht mehr das große Thema, dennoch sind die hinteren Radläufe, Aufnahmen der Stoßdämpfer, die Aufnahme der Kofferraumschlosses und der Rahmen der Windschutzscheibe neuralgische Punkte.

Die Sitze sind nach Saab Sitte die besten der damaligen Zeit, die Materialien im Innenraum sind robust.

Zwar wird viel Kunststoff verarbeitet, aber der ist massiv und ehrlich. Das zeigt, dass der 9000 aus einer anderen Epoche stammt. Im Gegensatz zu heutigen Autos gibt der nie vor etwas zu sein, was er nicht ist. „Form follows funktion“ – eine Saab Philosophie wird hier spürbar. Das Amaturenbrett kommt aus dem Flugzeugbau und gilt heute immer noch, oder wieder, als Vorbild für gelungene Ergonomie.

Nobel: Echtes Holz und Leder

Komfort und Klimatisierung

Der Saab 9000 ist ein Autos für lange Strecken. Auch aktuell kann der Geräuschlevel, bis auf die Windgeräusche der A-Säule auf schnellen Autobahnetappen, als leise gelten, der Federungskomfort ist gut. Hat man einen 9000 mit Klimaautomatik, diese übrigens FCKW frei ist – denn Saab war der erste Autohersteller der nur FCKW freie Anlagen verbaute – und damals mehr als 5000,00  DM Aufpreis dafür nahm, ist man gut klimatisiert unterwegs. Sitzheizung ist immer an Bord, die Lederstühle von Elmo, ein schwedischer Hersteller der gehobenen Klasse, sind hochwertig und vielfach verstellbar. Das Leder ist dick wie im Rolls Royce und übersteht bei etwas Pflege viele Jahre ohne Risse.

Fahrwerk

Der 9000 ist kein Kurvenfeger, heutige Autos sind fahraktiver. Eigentlich kann man sagen „auf geraden Strecken zu Hause“. Die Lenkung galt zur damaligen Zeit als präzise, wird heute als leicht indirekt empfunden. Die Federung ist weich und unterstreicht den Komfortcharakter des großen Saab. Dafür ist das Fahrwerk, hinten mit Starachse, immer sicher und souverän. Auch höher motorisiert ist der 9000 kein Rennwagen, sondern der überaus souveräne Reisewagen, der auch mal gern schnellen Sprints nicht abgeneigt ist. ABS ist an Bord, für Saab mit manuellem Getriebe gibt es TCS als Traktionshilfe. Das TCS System neigt gerne zu Fehlern, der Austausch wird dann nicht billig.

Motorisierung

Der 9000 ist fast immer mit 4 Zylindern mit oder ohne Turbo unterwegs. In späteren Baujahren gab es auch einen 6-Zylinder Sauger von GM, der allerdings wenig beliebt war und entsprechend selten zu finden ist. Die Basis bilden die Sauger mit 126 bis 140 PS, darüber die Softturbos mit 150 bis 170 PS und die Vollturbo Motoren mit 160 bis 225 PS.

Das Sahnehäubchen ist der 9000 Aero mit dem 2.3 Liter Vollturbo und 225 PS. Die Beschleunigung aus mittleren Drehzahlen läßt auch heute noch manchen Dienstwagenfahrer mit seinem TDI aus dem VW Konglomerat grün im Gesicht werden. So souverän der 2.3 Liter auch rüberkommt, er hat einen Nachteil. Alle 2.3 Liter sind zum seidigeren Motorlauf mit zwei Ausgleichswellen ausgestattet, die ab einer Laufleistung von 200.000 KM nach Überholung oder Motorschaden rufen.

Günstiger im Unterhalt und erheblich robuster sind die 2.0 Liter Motoren – ohne Ausgleichswellen. Der Motorlauf ist nicht merklich unruhiger, die Fahrleistungen mit 130 PS als Sauger oder 150 PS als Softturbo sind natürlich nicht so beeidruckend wie die der großen Motoren. Dafür sind 2.0 Liter Motoren mit einer Laufleistung von mehreren 100.000 KM kein Problem.

2 Liter Softturbo mit Trionic

Getriebe

Entweder ein manuelles 5-Gang Getriebe oder eine 4-Gang Automatik von ZF war für den 9000 lieferbar. Das 5-Gang Getriebe, eine Saab Entwicklung, ist etwas knöchern zu schalten, passt aber sonst gut zum 9000. Die ZF Automatik überrascht durch seidenweiches Schalten und ist nur unter Volllast etwas ruppig. Dem 9000 als Komfortauto ist die Automatik mehr angemessen als die manuelle Schaltung.

Ausstattungsniveau

Saab 9000 der 90er Jahre gab es als CS beim Fünftürer oder CD bei der Limousine als Basisversion. Darüber rangierten CSE oder CDE, den Aero oder Aero Sport gab es nur in der fünftürigen Version. Als luxuriöse Topversion, allerdings mit GM V6, gab es die Limousine in der Griffinversion.

Besonders beliebt sind die CSE oder CDE Versionen, die in Serie schon eine Lederausstattung und Klimatisierungsautomatik an Bord haben. Auch die Verkleidung des Armaturenbretts mit Echtholz aus kalifornischem Nußbaum war Serie. Das Holz kam schon damals aus Plantagen die nach ökologischen Richtlinien zertifiziert waren. CS oder CD Versionen konnten diese Merkmale dazu kaufen.

Die sportlichste Version, Aero oder Aero Sport, wurde mit Ganzlederausstattung und famosen Sportsitzen geliefert. Die Sitze waren serienmäßig mit elektrischer Verstellung und Memory ausgestattet.

Der 9000 Griffin, immer mit Automatik und 6-Zylinder, wurde zusätzlich mit Walnußholz an Türen und Mittelkonsole zum Nobelschweden aufgerüstet.

Sicherheit

Die Fahrzeugsicherheit ist eine Saab Domäne, deshalb sind alle Saab mit ABS, Airbag – später auch mit Beifahrer Airbag – und Seitenaufprallschutz ausgetattet. Gurtstraffer an den vorderen Sitzen sind Serie, ebenso die Stoßstangen die sich bis zu einer Aufprallgeschwindigkeit von 8 km/h selbst repariert.

Da ist Platz: Großartige Sitze auch im Fondbereich

Welchen kaufen ?

Der 9000 war nie ein billiges Auto, sondern immer Oberklasse. Ein 96er Aero mit Automatikgetriebe kostete neu mehr als 86.000 DM, die Basis mit 2.0 Liter Sauger in der CS version ab 47.000 DM. Der 9000 ist im Laufe der langen Bauzeit gereift. Modelle ab 1992 sind zuverlässig und ausgereift und damit zu bevorzugen. Beliebter – weil mehr Saab – ist das 5-türige Fließheck, dazu noch eleganter und praktischer als das Stufenheck. Das Problem ist ein gutes Exemplar zu erwischen, denn die werden rar. Die Abrackpämie unserer Kanzlerin hat unsinngerweise viele gute Erst – oder Zweithand Exemplare vom Markt geholt.

Auf Grund des niedrigen Preisniveau wurden viele 9000 von Endverbrauchern gekauft um dann ohne Wartung und Pflege, aber mit viel Reparaturstau die nächsten 100.000 KM zu absolvieren. Diese Exemplare findet man dann auf Ebay. Eines dieser Exemplare zu kaufen und in eine besseren Zustand zu versetzen lohnt sich aktuell im Hinblick auf die niedrigen 9000 Preise nicht.

Wer mit dem Gedanken spielt einen 9000 zu erwerben sollte einen Saab mit möglichst lückenloser Historie kaufen, nach Möglichkeit aus erster oder zweiter Hand. Diese Exemplare finden sich immer wieder auf Mobile.de oder Autoscout. Dann muss man allerdings schnell sein, denn solche Saab sind gesucht und oft nach weniger als 48 Stunden verkauft. Denn – und das ist ein Saab typisches Problem – viele Besitzer eines 9000 wollten sich nicht trennen und einen 9-5 kaufen. Mein Saab Verkäufer beschwerte sich über Jahre immer über die alten Herren, die er nicht dazu brachte einen 9-5 zu kaufen. Logisch, denn der 9000 ist eine Vielzwecklimousine, der Saab 9-5 nur ein Stufenheck.

Einen guten 9000er erkennt man meist auf den ersten Blick. Ein Frühindikator sind die Wischer der Scheinwerferreinigung. Die Motoren geben gerne den Geist auf, werden dann oft nicht ersetzt. Stehen die Wischer auf 2-Uhr, ist in der Regel der Motor defekt. Der Pflegezustand setzt sich dann oft im ganzen Wagen fort.

Die Top Motorisierung mit 2.3 Litern und 200 oder 230 PS ist einfach Klasse, allerdings sollte man dabei an Problematik der Ausgleichwellen denken. Der 2.0 Liter Softturbo ist die Motorisierung der Vernunft, läuft auch über 200 und ist wartungsarm und zuverlässig. Wenn Saab dann Turbo, und wenn kein Turbo dann auf keinen Fall den GM V6, der alle 60.000 KM neue Zahnriemen wünscht.

Wenn 9000 – dann 9000 mit Leder und Klimaautomatik. Ohne Leder ist der 9000 später kaum verkäuflich, was auch für die Klimaautomatik gilt. Schiebedach ist nicht immer zu empfehlen, oft sind die Abläufe verstopft und verursachen dann üblen Rostbefall.

Besonders begehrt sind die Anniversary Modelle von 1997 oder das letzte Baujahr 1998. Das Niveau der Ausstattung ist dann überdurchschnittlich gut, der 9000er kommt im Aero Trim daher wie unser hier abgebildetes Modell. Anniversary Modelle erkennt man ausserdem an dem eingeprägten Flugzeug, welches einen stilisierten B18 Bomer darstellt, auf den Ledersitzen.

Die Preise beginnen für gute Exemplare ab ca. 3.500 € und können bis über 6.000 € steigen. Damit ist das Niveau immer noch sehr niedrig, was sich aber ändern wird da die „endverbrauchten“ 9000er jetzt von der Bildfläche verschwinden werden. Wer den letzten Saab der „Pre-GM-Phase“ mag, der sollte jetzt zugreifen.

Text: tom@saabblog.net

Bilder: saabblog.net

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