Beim Saab 9000 kann man davon ausgehen, dass Rostprobleme auf den ersten Blick schlimm scheinen, sich dann aber relativieren. Ist halt ein gutes Auto, der 9000 !  Schwedenstahl !  Beim Saab 9-3 der ersten Serie, das mussten wir lernen, ist es umgekehrt. Von wegen Schwedenstahl… Nur scheinbar gut stand unser „Silver Aero“ Projekt auf dem Hof des Bamberger Saab Zentrums.

Typische Problemstelle: Federbeinaufnahme

Typische Problemstelle: Federbeinaufnahme

Lediglich der Radlauf hinten rechts hatte sichtbaren Rost. Nach kurzer Besprechung entschieden wir uns, zusätzlich die Motorhaube – sie hatte einen tiefen Kratzer und etlichen Steinschlag – neu lackieren zu lassen. Und da war noch die Sache mit der Aufnahme der Federbeine vorne, die natürlich – denn es ist eine Krankheit an 900 II und 9-3 I Typen, vom Rost befallen war. Für die Federbeine gibt es deshalb „Repair-Kits“ oder man schweißt fachmännisch, womit das Problem schnell erledigt war.

Mehr Kopfzerbrechen bereitete das, was dann kam. Es begann mit dem Abbau der Heckschürze und einer Demontage der vorderen Stoßstange und – mit Rost, wohin das Auge blickt. Mit jeder abmontierten Leiste wurde es mehr, und damit war klar, wir haben ein Problem !

Von wegen Schwedenstahl !  Natürlich hat auch der 9-3 I dickeres Blech als heute üblich. Was nicht vor Korrosion schützt. Rost blühte an unserem 9-3 I an allen möglichen Ecken, Falzen und Trägern und vor allem an Stellen, an denen man die braune Pest erst auf den zweiten Blick erkennt. Dabei ist unser 9-3 von Saab scheckheftgepflegt, alle vom Hersteller vorgeschriebene Massnahmen zur Rostvorsorge wurden in diversen Saab Zentren durchgeführt. Zu Beginn seines automobilen Lebens war der 9-3 in Südhessen unterwegs, danach in Mittelfranken. Beides nicht unbedingt Gegenden, die für intensiven Streusalz-Einsatz berühmt wären. Der Zustand ist ein Schock. Ist die Rost-Problematik beim 9-3 der ersten Serie ein generelles Problem?

Was wir zum damaligen Zeitpunkt nicht wussten und was sich erst im Laufe des Winters herausstellte: Ja, Saab hat ein Problem. Freund Götz, der in Hamburg einen 9-3 Aero als „Daily-Driver“ hat, berichtet von den gleichen Probleme, wie sie unseren Schweden plagen. Sein in der kalten Jahreszeit teil-demontierter Saab war öfter als gedacht Gast bei der „Hamburger Feinstrahl Technik„,  und Götz war ebenfalls schlicht und einfach schockiert. Der kompakte Saab ist anfällig für die braune Pest. Keine guten Zukunftsaussichten für Fahrzeuge, die erst 12 bis 15 Jahre alt sind.

An dieser Stelle muss man sich immer die Frage stellen, ob man Geld investieren will, um das Fahrzeug langfristig zu bewahren, oder ob es nur um ein oder zwei Jahre Fahrspaß gehen soll. Ich habe die langfristige Lösung gewählt. Der Rost wurde großflächig entfernt, der Saab zum Lackierer gebracht. Mittlerweile hatte der Winter das Land fest im Griff, was gut für uns war. Bei Lackierern herrscht (manchmal) im Winter Flaute, und aus dem Kunden, der im Sommer als Bittsteller auftritt, kann mit etwas Glück ein König werden. Wir hatten doppeltes Glück. Wir erwischten eine Auftragslücke, denn es lag noch kein Schnee, also waren noch keine Unfallschäden an der Tagesordnung.  Und wir hatten das Verhandlungsgeschick von Ralf Muckelbauer als Trumpf. Damit bekam unser 9-3 eine Teillackierung zum Winter-Sonderpreis.

Zurück in der Werkstatt wurden Blech und Hohlräume mit Mike Sanders konserviert. Damit ist für die nächsten 10 bis 15 Jahre an der Rost-Front für Ruhe gesorgt, und der schlimmste Feind des Saab 9-3 I in seine Schranken gewiesen. Zeit, Luft zu holen und sich um Kleinkram zu kümmern. Da wären die schwarzen Folien an der B- und C-Säule. Durch Sonneneinstrahlung in gut 12 Jahren sehen sie nicht mehr gut aus. Ein Blick in den Computer hilft weiter. Die Saab Parts AB hat in Nyköping Folien am Lager, wie überhaupt sehr viel für den 900 II und den 9-3 I noch lieferbar ist. Die Bestände sind nicht riesig, dafür aber überraschend komplett, die Preise sind fair.

Keine Frage, alte Folien runter, neue Folien drauf. Womit wir den Rost mittelfristig besiegt hätten und die Kratzer und Steinschläge auf der Motorhaube durch Neulackierung ungeschehen gemacht haben. Und mit den neuen Folien, jetzt tiefschwarz statt angegraut, sieht der Saab schon richtig gut aus !

Kommen wir zum nächsten Kapitel. Der Motor ruft. Wir haben einen von Hirsch Performance auf 230 PS gebrachten Saab H-Motor vor uns. 115 PS Literleistung war damals eine starke Nummer, und der B205R ist nur dann ein standfester Motor, wenn er gut gepflegt wird. Die Zylinderkopfdichtung kündigt sich an und muss dringend ersetzt werden.

Gibt es diesmal eine kleine Operation oder fahren wir mal wieder das ganz große Programm, nachdem wir in Sachen Rost schon zugeschlagen haben? Man kann ahnen, was kommt. Das nächste Kapitel nennen wir „Motorrevision“. Aber manche Dinge sind dann doch nicht so, wie sie scheinen.

Text: tom@saab-youngtimer.de

Bilder: saab-youngtimer.de

 

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4 thoughts on “Projekt Silver Aero. Rost.

  • Hi Tom,
    den silbernen Aero haben wir vor ca. 3 Wochen schon bewundert; ok es war nass, kalt und es lag noch Schnee auf den Fahrzeugen …. aber er sah toll aus …. und wenn er erst eimal fertig ist !!!!
    Wir haben unseren Kurzbesuch in Bamberg (unser Sohn studiert dort) jetzt mal endlich genutzt, um die Firma Muckelbauer kennenzulernen. Aufgrund des noch vorherrschenden Winterwetters waren wir nicht mit unserem 9-3 Aero V6 Cabrio unterwegs, sondern fuhren mit unserem XC90 auf den Hof.
    Es folgte ein total offenes und herzliches Gespräch mit Herrn Muckelbauer -einfach klasse!
    Übrigens stand dort auch noch der odoradograue 900 Classic, über den hinterher soviel diskutiert wurde. Schade, dass es kein Cabrio war, vielleicht wäre es meins geworden.
    LG
    turboelch-we (aus Recklinghausen)

  • na ich bin mal auf die Fortsetzung gespannt! Ich bekomm die nächsten Tage auch einen Aero geliefert. Mal sehen wie der zusammen ist.

  • Hallo Tom,

    nachdem ich auch einen AERO 9.3 II – 2.2 TiD (Type YS3F) Bj, 2004 fahre interessiert mich ob auch bei diesem
    Baujahr bzw. Type die Rostanfälligkeit, wie in Deinem Blog beschrieben, auftreten kann.

    Die Maschine ist eine in Köln hergestellter Dieselmotor, von dem ich glaube, daß diese ziemlich stabil ist, denn mit nur 125 PS und 2.2 Liter nicht hochgezüchtet wurde.

    Mein SAAB wird, wie im Handbuch beschrieben nur in einer SAAB-Fachwerkstätte gewartet und auch von mir pfleglich behandelt, weil dies in Hinblick auf mein Baujahr (1940), so glaube ich, die letzte Fahrzeuganschaf-
    fung sein wird. Nachdem ich jährlich nur wenige Kilometer fahre und Kurzstrecken möglichst vermeide.

    Bei den jährlichen Überprüfungen durch die Techniker des Autofahrerclubs ÖAMTC wurde bislang immer der gute Fahrzeugzustand erwähnt und gelobt.

    Aus Deinen Blogs, welche ich immer mit großem Interesse verfolge, entnehme ich eine gewisse Fachkenntnis über Saab, und danke Dir für einen Typ im voraus.

    Herzliche Grüße aus Salzburg
    Manfred

    1. Lieber Manfred, der Motor in Deinem 9-3 kommt aus dem GM Baukasten (Opel) und gilt als sehr robust. Der 9-3 II ist eine völlig andere Konstruktion und bisher ist zum Thema Rost keine Auffälligkeit bekannt. Auch der 9-3 I ist eigentlich kein als anfällig bekannter Kandidat, aber es scheint Unterschiede zu geben, siehe unser 9-3 I Aero… 😉

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