Es ist eine schwierige Frage ! Der Saab 9-5 kam im Sommer 1997 auf den Markt, und die ersten Typen sind demnach bereits erstaunliche 17 Jahre alt. Das Youngtimer-Leben beginnt dann ab dem zwanzigsten Jahr, so die offizielle Zählweise. In dieser Abteilung sind bereits Saab 900/2 und Saab 9000 unterwegs – und tun sich nicht immer leicht damit.

Saab 9-5 1999

Saab 9-5 1999 Foto: Saab Automobile AB

Beide sind Schrägheck-Modell und eindeutig optisch als Saab einzuordnen. Der 9-5 ist das nicht. Er trägt zwar den klassischen Saab Kühlergrill, aber er ist ein Stufenheck. In Detroit wollte man das so, in Trollhättan wehrte man sich nicht, und so wurde er irgendwie sehr konventionell. Sein Vorgänger, der Saab 9000, schlägt den 9-5 mühelos in den Disziplinen Innenraum-Ökonomie und Variabilität. Hat der 9-5 überhaupt Youngtimer-Potential?

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Schwierig. Denn er ist in der kritischsten Phase seines Lebens. Als billiger, robuster Gebrauchtwagen läuft der 9-5 der ersten Stunde Gefahr, als Verbrauchsauto und als Exportware sein Leben in Kasachstan oder sonstwo zu beenden. Liebhaber, die bereit zu Investitonen sind, gibt es wenige. Oder kennen Sie einen ? Nein? Alles klar ! Dabei hat der 9-5 MK1, der mit der verchromten Kühlermaske, durchaus seinen Reiz. Die frühe Serie ist gut verarbeitet, die Materialien besser als bei den ganz späten Exemplaren. Er ist auch heute noch ein exzellentes Reiseauto. Und der 9-5 hat, auf seine Art, Saab-Geschichte geschrieben.

SAAB 9-5 Entwurf

SAAB 9-5 Entwurf mit und von Tony Catignani

Da war die aktive Kopfstütze, eine Sicherheitsinnovation von Saab, die sich heute in fast allen Fahrzeugen deutscher Hersteller wiederfindet. Die ventilierten Vordersitze waren zwar keine Saab-Erfindung, aber die Schweden brachten als erste dieses Komfortfeature in einem Personenwagen. Da gab es den asymmetrisch aufgeladenen V6 Turbo Motor. Von den Hardcore-Fans nie geliebt und nie verstanden, denn die Basis kam von Konzernmutter GM. Aber ein durchzugsstarker Komfortantrieb, der begeistern konnte, wenn man sich darauf einlassen wollte.

Der V6, in der ersten Auflage noch mit 4-Gang Automatik und später mit 5 Fahrstufen lieferbar, zeichnete verantwortlich für die vielen Eroberungskäufe der ersten Jahre. Der 9-5 war, in den ersten Modelljahren, durchaus erfolgreich. Nur haben wir das schon wieder vergessen. Dass Saab später auf den V6 verzichtete und damit die Sechszylinder-Kunden verlor, rächte sich bei der Einführung des 9-5 II viele Jahre später. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.

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Die Grundform des Aussendesigns stammt von Tony Catignani, der den 9-5 gerne etwas extremer gezeichnet hätte. Im Buch „Saab 9-5 eine persönliche Geschichte“ von Anders Tunberg sieht man einen Entwurf, der verdeutlicht, was damit gemeint war. Eine stärkere C-Säule, ein betontere Saab „Hockeystick“, ein kraftvolleres Heck. Der 9-5 wäre damit im Rückblick weniger brav erschienen, mehr Saab und extremer gewesen. Polarisierender. Aber die Zeiten waren nicht danach, und mutig war man auch nicht. Der Entwurf, dessen Gesamtheit Einar Hareide verantwortete, blieb brav und etwas beliebig.

Saab 9-5 eine persönliche Geschichte

Saab 9-5 eine persoenliche Geschichte – von Anders Tunberg

Anders sieht es im Innenraum aus. Das Armaturenbrett ist 100 % Saab. Die Grundform stammt aus dem Saab 900 und wurde über Saab 9000 und 900/2 weiterentwickelt. Man spürt die Herkunft aus dem Flugzeugbau, alles ist klar und logisch angeordnet. Fragen gibt es keine, ein Blick ins Handbuch ist nicht nötig. Es ist die Ergonomie des Innenraums, die den 9-5 zu einem richtigen Saab macht. Erstklassige Sitze, beste Bedienerfreundlichkeit. Und das Fahrgefühl. Der 9-5 gibt stets seinem Fahrer eine klare Rückmeldung zur Beschaffenheit der Strasse. Das ist Saab Philosophie, und das von der Umwelt entkoppelte Fahren in modernen Autos ist dem 9-5 fern.

Gut, bei aller Argumentation: der 9-5 ist trotzdem kein Youngtimer, vermutlich noch nicht mal ein richtiges Liebhaberfahrzeug. Er hat auf diesem Blog eigentlich nichts verloren. Aber er ist ein Saab, und die ersten Exemplare mit dem Chromgrill gehören auf die rote Liste bedrohter Exemplare. Denn es sind Fahrzeuge, über die noch keiner spricht und um die sich noch kaum einer kümmert. Dass diese Fahrzeuge auf der Strasse bleiben, ist so etwas wie Herzenssache. Deshalb wird der 9-5 MK1, gebaut von 1997 bis 2001 in Zukunft ein Thema auf dieser Seite sein.

Text: tom@saab-youngtimer.de

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11 thoughts on “Saab 9-5. Youngtimer-Potential…ja oder nein?

  • Hiermit oute ich mich als 9-5 MKI -Liebhaber, der 2012 in einen 2,3t mehr als 5.000€ investiert hat, um ihn möglichst lange zu erhalten. Für mich ist es subjektiv der schönste Saab und der komfortabelste dazu. Da kommt bis heute kaum ein anderes Auto mit, vor allem wenn man das Preis/Leistungsverhältnis mit einrechnet. Das Fahrwerk der ersten Baujahre hat für mich genau jenes Quäntchen mehr an Komfort, dass viele heutige Mittel-und Oberklasselimousinen mit ihren gnadenlos auf „Fahrdynamik“ getrimmten „Cup-Fahrwerken“ vermissen lassen. Wellness in Motion – und dass inklusive definierter Rückmeldung über den Strassenzustand. Solch eine Abstimmung sucht man heute vergeblich, der 9-5 bringt mich sicher mit 180 und mehr km/h durch langgezogene Autobahnkurven, ohne mich bei jeder noch so kleinen Verwerfung durchzuschütteln. Es ist wirklich an der Zeit, dass die letzten originalen und guten Exemplare ihre Liebhaber finden…

  • Meiner ist 12/2001(facelift) und sieht immer noch jünger und frischer aus als so manch anderes fabrikat.
    Bis jetzt gibt es keinen grund den zu tauschen, nach ein paar kleinen kinderkrankheiten läuft er seit paar jahren super. Zum thema verarbeitung…. im innenraum klappert nix, es quitsch nix, es passt von der bedienung einfach alles, dass merkt man ganz schnell nach einem tag im VW Passat oder was auch immer, man freut sich dann immer wieder auf seine sitze und die bedienung im saab.
    Noch fix was zu den sitzen: Bj 2001 und die sitze haben noch keine abgesessenen ohren so wie in manchen 9-3 der letzten baujahre schon nach einem jahr zusehen waren.

    Bei fahrten in den urlaub gab es von der familie auch noch nie beschwerden,
    dass es unbequem oder zu laut wäre, gerade auf der AB empfinde ich die
    geräuschkulisse als sehr angenehm leise.Geräusche kommen dann bloß
    vom fahrrad und dachträger, für uns ist er nach wie vor das ideale familienauto.

    Der 9-5 ist zu jung für einen youngtimer.

    Gruß Andreas

  • Eigentlich sind sie ja schöne Autos. Und gerade die erste Serie gefällt mir ganz klar am Besten.
    Wäre da nicht das unpraktische Stufenhecklayout ( Kombis sind hier in Österreich die absolute Ausnahme und wenn, dann nur als 3.0TiD…. ) .
    Auch das Innenraumdesign ist – wenn auch immer noch gediegen – halt doch nicht mehr ganz so individuell wie noch im 9000.
    Trotzdem spiele ich in letzter Zeit mit dem Gedanken, mir einen 9-5 zuzulegen. Keinesfalls als Ersatz für meine beiden 9000 ( fände ich irgendwo noch einen Top-9000, wäre der definitiv meine erste Wahl ), sondern als Ergänzug. Quasi als Selbstversuch, als praktischen Vergleichstest. Noch gibt es ja frühe 9-5 in dem Zustand, in dem 9000 eigentlich nicht mehr zu finden sind.
    Schaun wir, ob mir was Passendes zuläuft….

    liebe Grüße
    Gerald

    1. Es gibt sehr schöne 9-5er der frühen Serie aus erster Hand zum wirklich kleinen Preis. Wenn Du ein schönes Exemplar findest ist es eine Ergänzug die sich gut mit den beiden 9000 vertragen wird 😉

      1. Das Problem ist eher, dass das Angebot an diversen Saabs in Österreich deutlich geriner ist als in D. Da ist dann logischerweise der Prozentsatz derer, die in wirklich gutem Zustand sind, natürlich aliquot gering.
        Wie auch beim 9000 ist es weniger das Problem, dass die Autos zu teuer wären ( mit wenigen Phantasiepreisausnahmen ) , sondern eher das wirklich gute Exemplare kaum auf den Markt kommen.

        liebe Grüße
        Gerald

  • Man muß sich nur das Foto oben ansehen, einfach zeitlos schönes SAAB-Design.
    Der sieht wirklich nicht nach Youngtimer aus!
    Der Combi hat mir dagegen im Heckbereich nie wirklich gefallen.

  • Ich habe mich 1997 anläßlich eines Neukaufs für einen 9-5er entschieden: Ambassador-Blau, Voll-Leder sandbeige, 2,3t SE mit 170 PS. Aus finanziellen Gründen über einen Bekannten in DK bestellt und in abgeholt. War damals lange Zeit einer der ersten 9-5er im Lipperland. Für mich vom Fahrgefühl ein „Quantensprung“ von meinem damaligen Fahrzeug (901, 2,1i), mit dem ich die Hinreise angetreten hatte. Die Rückfahrt dann im „Neuen“, der Bekannte „durfte“ im 901 hinterherfahren. Völlig entspannt war ich abends wieder zu Hause. Die späteren Probleme mit der hiesigen Kfz-Zulassungs-Verhinderungs-Stelle bieten Gesprächsstoff für einen Abend. Leider gab es mit der Garantie und der Kulanz in den Folgejahren immer wieder Probleme. Das war’s dann auch mit der Import-Methode, aber damals hätte ich mir den Wagen so nicht leisten können. Aber er fährt noch heute auf lippischen Straßen, soweit ich weiß. Mein Bruder hat sich nach Jahren auch für den 9-5 als Kombi entschieden. Gebraucht, einer der ersten Kombis, 2,0t SE mit Hirsch-Upgrade auf 200(?)PS, schwarz,mit schwarzen Ledersitzen. Den fährt er noch heute mit weit über 200000km auf dem Tacho und er steckt immer wieder einen 1000er in das Fahrzeug, um ihn noch lange zu fahren. Für einen Tagesausflug nach Halle a.d.Saale haben wir meinen 9-3 SC mit 210PS zu Hause gelassen und die Reise mit seinem 9-5er gemacht. Hinfahrt ich, Rückfahrt auch ich, denn die Fahrt war eine einzige Entspannung: Dauerregen, den Tempomat auf 140 km/h eingestellt und die Fahrt genossen.
    Unter uns: Der damalige aktuelle 5er BMW sieht heute gegen den 9-5er alt und bieder aus.
    LG

    1. Tja, wo habe ich ihn denn nun abgeholt? Sorry, das war in Kolding in Dänemark. War mir glatt entfallen, und als ich es gemerkt hatte, war die Mail schon losgeschickt.
      Übrigens, als ich in den kleinen Show-Room in Kolding kam, da hing der Blick schon nach einer gefühlten „1000stel Sekunde“ an „meinem SAAB“, und am Abend zu Hause habe ich schwer mit mir gekämpft, dem Bekannten die versprochene Probefahrt zukommen zu lassen.

  • Auch von mir einige Impressionen zum 9-5, 2,2 TiD Kombi, der erste Saab aus der GM-Zeit in meiner Saab-Geschichte nach drei 96 und drei 900 I (jeweils einer dieser beiden ist noch vorhanden):

    Nach nun 257.000 km bin ich voll mit der Zuverlässigkeit, der Verarbeitung und dem Komfort zufrieden. Gerade bezüglich des Komforts kein Vergleich zu den steifbeinig über Unebenheiten rumpelnden Skoda, Opel, VW und leider auch Franzosen der neuen Generationen (die Hydropneumatik ist eben immer noch unerreicht, eigene Xantia-Erfahrungen über 450.000 km bewiesen dies).

    Auch bezüglich der passiven Sicherheit ist ein großer Fortschritt im Vergleich zur weichen Karosserie des 9000 vorhanden. Dieser bietet zwar mehr Innenraum, aber hinsichtlich der Innenraumanmutung des Armaturenbretts ist er klar eine Klasse tiefer angesiedelt. Auch wenn dies sicher kein Qualitätskriterium ist: Ausgeschäumte Armaturenbrett-Unterteile und Türverkleidungen wie beim 9-5 I findet man heute nur bei wesentlich teureren Autos. In Details ist der 9-5 I sogar dem 9-5 II überlegen (wackelige Lenkradverstellungsverschlüsse, nur eine Motorhaubenverriegelung, wesentlich besser ablesbare Instrumente, Türschließgeraäusch wie beim Insignia), dafür ist der 9-5 II hinsichtlich der passiven Sicherheit noch ein gutes Stück besser, nicht nur beim NCAP-Test, sondern er ist auch beim US-Dachstabilitätstest allen anderen Autos weit überlegen.

    Klassikerpotenzial wird auch der 9-5 I nach einigen Jahren bekommen, so wie es beim 9000 langsam der Fall ist. Man muss eben nur lange genug warten.

    Trotz vieler GM-Teile ist auch beim 9-5 nicht das individuelle Fahrerlebnis verloren gegangen, nur der unvergleichliche Panoramaausblick durch die gerundete Windschutzscheibe eines 900 I fehlt etwas.

    Viele Grüße, Uli

  • Mitleid mit denen ,die den SAAB 9-5 nicht als typischen SAAB bezeichen. Ich fahre den dritten 9-5 Bio Power Bj. 98 mit allem erdenklichem Zubehör , es fehlt eigentlich nichts. Robust und zuverlässig , das ist für mich ein typischer SAAB ( heute wurden die 40 tsd. km. voll) . Im Sommer kommt noch ein SAAB Cabrio 900 Bj. 97 auf die Strasse, nur so zum Spaß . Mehr SAAB als mein 9-5er ist unser Cabrio bestimmt nicht . Außerdem, die Zeit soll entscheiden , wer wird was , und nicht irgendwelche Hypothesen .

    Grüße
    Ulrich

  • Der 9-5 als Kombi ist sicher einer der optisch schönsten Fahrzeuge im Kombisegment besonders bis zu Chrombrille. Ich bin ihn recht gerne gefahren da man sich besonders im Innenraum recht „luftig“ gefühlt hat. Dennoch habe ich den Wagen verkauft und den 9k behalten da für mich der 9k das bessere Auto ist. Zwar merkt man dem 9-5 an, dass es der modernere Wagen ist, teilweise die verwendeten Materialen haptisch einen besseren Eindruck machen, allerdings empfinde ich die Automatik als grottenschlecht für die Fahrzeugklasse und Trionic5 Fahrzeuge sind einfach „bissiger“ als Trionic7 Fahrzeuge. Da ich Autos gerne fahre und nicht nur anschaue war die Wahl recht einfach.

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