Von Philipp Bohr, Völklingen

Im ersten Teil der Reparaturbeschreibung soll es um den umfangreicheren Punkt gehen, die Schäden an dem, was man gerne Bodywork nennt – also Karosserie und Anbauteilen.

Gesamtschadensaufnahme. Die Motorhaube hat es leicht erwischt, die Kuehlermaske stark, den Scheinwerfer auch stark. Um ihn wird es im nächsten Teil dieses Berichts gehen.

Gesamtschadensaufnahme. Die Motorhaube hat es leicht erwischt, die Kuehlermaske stark, den Scheinwerfer auch stark. Um ihn wird es im nächsten Teil dieses Berichts gehen.

Der Unfall hat hier einige Spuren hinterlassen, von der (wenn auch nur leicht) verzogenen und eingedellten Motorhaube über die zerstörte Kühlermaske bis hin zum kaputten Nummernschild und Nummernschildhalter.

Eines schon mal vorweg: SAABs sind massiv konstruiert. Der vordere Stoßfänger tat seinen Dienst dem Namen entsprechend, und besser als so mancher gelackte Namensgenosse, absorbierte den größten Teil des Aufpralls ohne nennenswerte Schäden, den anderen nahm der Schlossträger der Motorhaube auf. Kühler und Scheinwerfer taten ein Übriges, im Metallbereich der Karosserie kam es zu keinen Deformationen mehr – von der lädierten Motorhaube mal abgesehen, aber die kann der Stoßfänger nun wirklich nicht mehr schützen.

Akt 1: Die Kühlermaske

Zunächst eine Enttäuschung: Was von außen immer den Eindruck erweckte, verchromtes Metall zu sein, entpuppte sich bei näherer Betrachtung als mit silbriger Folie beschichtetes Plastik. Allerdings hatte diese Enttäuschung auch etwas Gutes: Beinahe die gesamte, ohnehin nicht besonders große Aufprallwucht, konnte sich an den Plastikteilen austoben, so dass an den wesentlichen Metallteilen des Vorderwagens kein oder nur geringer Schaden entstanden ist.

Der Austausch ist einfach: Die beiden Schrauben links und rechts lösen, dann lässt sich die Maske gleich herausheben. Der Einbau ist noch einfacher: Einfach die neue Maske einsetzen, die Dübel in die beiden Löcher drücken und die Schrauben wieder anziehen.

Als schwierigster Part entpuppte sich da schon der Kauf einer Ersatzmaske für den Saab 9-5. SKANDIX meldet keine Lieferbarkeit. Eine Maske mit Wabengitter, wie sie eigentlich zum Modell gehört, ist sowieso kaum aufzutreiben, weder neu, noch gebraucht. Bleibt als Übergangsalternative eine nicht sonderlich teure, gebrauchte Haube aus Vorbesitz, mit mehr Kilometern als mein Auto, dafür aber jünger. Und ehrlich gesagt, gefällt mir die dezentere Standardjalousie sogar besser als die Honeycomb–Ausführung.

Akt 2: Die Motorhaube

Um die Karosseriereparaturen kümmere ich mich nicht selbst – das übernimmt eine Spenglerei, die mir schon einmal nach einem Unfall geholfen hat. Mitarbeiter Reimi, der damals schon den hinteren Kotflügel in einen unversehrten Zustand zurückversetzt hat, soll diesmal auch die Motorhaube wieder richten.

Drei Schäden fallen ihm sofort auf. Erstens ist der Schlossträger verzogen, weswegen der linke Scheinwerfer auch so seltsam nach oben verdreht ist. Zweitens ist die Vorderkante der Motorhaube eingedrückt. Drittens ist die Motorhaube insgesamt verschoben.

Der Schlossträger lässt sich wieder richten, stellt kein Problem dar. Die Motorhaube bereitet Mitarbeiter Reimi da schon eher Kopfzerbrechen, er rät zu einer Neuanschaffung – alternativ bietet er mir an, zu versuchen, die Haube ebenfalls wieder auszurichten und  auszubeulen. Ich gehe auf dieses Angebot ein – auch nachdem ich die Preise für neue Hauben gesehen habe. 900 Euro für das Teil, weitere 400 – 500 fürs Lackieren, dazu noch die Mehrwertsteuer.  Sollte das mit dem Richten nicht hinhauen, bleibt immernoch der Griff zum Neuteil.

Sicher – es gibt noch weitere Optionen. Gebrauchte Saab 9-5 Hauben aus dem Teilehandel, freie Teilehändler, etc. Aber da stellt sich mir die Frage, wieso jemand die unbehandelte Haube um 50 % günstiger anbieten kann als das Originalteil? Und weiß man, welche Geschichte eine Haube aus einem Spenderfahrzeug hat? Und bevor hierdurch irgendwelche Spätfolgen entstehen und die Haube in einem oder zwei Jahren wegen Korrosion oder was auch immer getauscht werden müsste – oder erst gar nicht passt, schon einen Schaden hat, oder etwas ähnliches – bleiben wir lieber gleich bei der eigenen.

Die Spenglerei meldet sich einen Tag später. Reimi klingt er am Telefon noch vorsichtig. Der Schlossträger hat den Werkzeugen erwartungsgemäß wenig Widerstand geleistet und sich schnell gradeziehen lassen. Die Schraubarbeit war halt nervig – Scheinwerfer ausbauen, Stoßfänger abbauen, Schlossträger abbauen, und danach in umgekehrter Reihenfolge wieder anbauen. Bei der Motorhaube formuliert er vorsichtig optimistisch – auf den ersten Blick sei sie wieder in Ordnung, die Spaltmaße stimmen wieder, die Beulen seien fast weg.

Als ich den Wagen abhole, ist es schon spät. Im letzten Licht des Tages wirkt die Motorhaube wieder wie neu, glatt und perfekt sitzend. Genauer nehme ich die Haube am nächsten Tag in Augenschein, im hellen Licht. Und was soll ich sagen… auf den vierten Blick bemerkt man noch zwei kleine Dellen in der Haube, nahe der Falz zum erhöhten Mittelteil (neudeutsch: Powerdome). Wem die beiden jetzt 1500 Euro wert sind – bitteschön. Mir sind sie es nicht.

Akt 3: Der Nummernschildhalter

Ein Gutes hatte dieser Unfall: Er gibt mir einen guten Grund zur Selbstrechtfertigung des Kaufs zweier „Made in Trollhattan by Trolls“–Nummernschildhalter. Mit ca. 15 Euro sind das noch die billigsten Teile, die getauscht werden müssen, und denkbar leicht montiert. Das lädierte vordere Kennzeichen wehrt sich zwar zunächst gegen das Einführen in den Halter, kann aber durch eine Abkantbank gefügig gemacht werden. Mit als erstes bestellt, werden sie als letztes angebaut, auch wenn ich die alten Nummernschildhalter vom SAAB Zentrum Saarbrücken vermissen werde. Ebendieses war eines der ersten Opfer des ersten Insolvenzverfahrens und schloss am 18. Dezember 2009 seine Pforten.

Insgesamt nimmt das Projekt „Clarence“ etwa zwei Wochen in Anspruch. Gelernt habe ich einiges dabei – neben dem genauen Aufbau der Front zum Beispiel wie weit die Nehmerqualitäten des SAAB gehen. Erst kürzlich bin ich an einem ähnlichen Unfallszenario vorbeigefahren, bei dem ein VW Polo an einer Ampel einen kleinen Hyundai von hinten auf die Hörner genommen hat. Zumindest für den Polo würde ich mal stark auf Totalschaden tippen…

… ach ja, und in Zukunft werde ich bei Dunkelheit und Regen noch etwas vorsichtiger sein, und die Vollbremsung gleich machen, wenn sich vor mir ein Unfall ankündigt, und ich das auch schon sehe.

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