Von Philipp Bohr, Völklingen

Nachdem wir uns im ersten Teil der plastischen Chirurgie gewidmet haben und Kühlermaske, Motorhaube und Nummernschildhalter wieder gerichtet haben, widmen wir uns in diesem Teil der Mechanik, wenn auch eher im weiteren Sinne. Noch offen ist die Reparatur des linken Scheinwerfers

Gesamtschadensaufnahme. Die Motorhaube hat es leicht erwischt, die Kühlermaske stark, den Scheinwerfer auch stark. Um ihn wird es im nächsten Teil dieses Berichts gehen.

Gesamtschadensaufnahme. Die Motorhaube hat es leicht erwischt, die Kühlermaske stark, den Scheinwerfer auch stark. Um ihn wird es im nächsten Teil dieses Berichts gehen.


Akt 2: Die Scheinwerfer

Die Scheinwerfer waren ja namensgebend für dieses Reparaturprojekt. Bei genauerer Untersuchung ist der rechte noch in fast unversehrtem Zustand – etwas Klebstoff stellt die untere, kühlerseitige Lasche wieder her. Der Verstellmechanismus funktioniert noch problemlos, die Ausrichtung stimmt ebenfalls noch.

Den Aufprall hat der linke auf sich genommen. Zwar ist die Streuscheibe noch intakt, doch das Reflektorgehäuse ist gebrochen, der Stellmotor reagiert nicht mehr, der Wischer gibt noch ein hässliches Knirschen von sich und gibt dann ebenfalls den Geist auf. Gott sei dank sind alle Teile leicht bei Skandix beschaffbar. Beim Scheinwerfer greife ich um Valeo–OEM–Teil. Wer an dieser Stelle die Nase rümpft, sollte einmal nachschauen, was in die Streuscheibe seines Original–SAAB–Scheinwerfers eingeätzt worden ist.

Die Reparatur des Scheinwerfers ist eine typische Schrauberarbeit. Die drei Halteschrauben des alten lösen, den Blinker von seiner Lasche abschrauben (und die Schraube dabei nicht hinter den Waschwassertank fallen lassen!), den Scheinwerfer nach vorne aus der „Höhle“ ziehen und die Steckverbinder für Leuchten und Stellmotor lösen.

Der Wischermotor kann entfernt werden, indem man die beiden Schrauben innen hinter dem Stoßfänger löst und den Wischerarm abschraubt. Dann noch den Stecker lösen, und das Altteil lässt sich problemlos entfernen. Das Neuteil ist ebenso problemlos eingebaut, nur der Wischerarm muss noch warten, bis der neue Scheinwerfer eingebaut ist.

Der Einbau des Stellmotors scheint zunächst einfach, das Altteil lässt sich durch eine Vierteldrehung sofort lösen und aus seiner Halterung ziehen. Das Neuteil lässt sich ebensoleicht einbauen. Probeweise wird alles verkabelt und ein Funktionstest gemacht. Der Scheinwerfer bewegt sich zwar, aber nicht richtig, beim Reduzieren des Lastindex am Schalter folgt der Reflektor nur eine Stufe weit. Erst ein Blick ins Kleingedruckte des Reparaturhandbuchs hilft hier weiter: Reflektor und Stellmotor müssen ineinander einrasten. Nun gut… die Klammern der Streuscheibe sind schnell gelöst, und mit sanftem Druck lässt sich eine feste Verbindung von Reflektor und Stellmotor herstellen. Noch ein Funktionstest, und alles funktioniert.

Die Klammern der Streuscheibe wieder zu befestigen ist zwar eine nervige Arbeit (bei der einige Klammern quer durch die Garage fliegen, um den Zorn des Mechanicus auf sich zu ziehen), aber nach der vierten erfolgreich eingesetzten kennt man den Trick: Erst eine Seite der Klammer einhaken (bevorzugt die am Reflektorgehäuse), dann die andere mit einer Flachzange halten und die Klammer so leicht spreizen.

Der Einbau des dann fertigen neuen Scheinwerfers erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus. Verkabelung herstellen, Scheinwerfer einsetzen, die Schrauben leicht anziehen, den Blinker festschrauben und dann alles festziehen. Fertig – die „Schiel-OP“ ist gut verlaufen, der Beiname Clarence nicht mehr gerechtfertigt.

Das Reparaturhandbuch beschreibt auch genau, wie ein Ziel in 10 m Entfernung mit dem Scheinwerfer anzuvisieren ist, und unter welchen Bedingungen (halbvoller Tank, Person im Fahrersitz, Lastindex 0). Gut, in diesem Fall war der Tank noch ein Viertel voll, aber da die Fahrerin spielende Freundin im Fahrersitz ebenfalls leichter als ich ist, gleicht sich das wohl wieder aus.

Im Scheinwerfer befindet sich eine Kreuzmarkierung. Deren Höhe über Grund kann ausgemessen werden, in 10 m Entfernung sollte der Strahl auf einen 5 cm tieferen Punkt zielen. In meinem Fall ziele ich über den Daumen gepeilt auf einen noch 1 cm höheren Punkt, aber das Ergebnis ist dennoch zufriedenstellend. Bei der nächsten Inspektion wurde der Scheinwerfer wohl unter Normbedingungen richtig eingestellt.
Damit sind alle Arbeiten abgeschlossen. Der SAAB wirkt wieder wie fast neu – alle optischen und mechanischen Schäden beseitigt, die Bezeichnung als „Clarence, der SAAB mit dem Silberblick“ können wir damit ad acta legen – und müssen sie hoffentlich in Zukunft nicht wieder herauskramen.

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