In Schweden gibt es aufgegebene Saab Standorte, die mittlerweile zum größten Teil verschwunden sind. Zu den „Lost Places“ der großen Saab Historie gehört auch das Autowerk in Malmö. Die Karriere der Fabrik war kurz. Und teuer. Nicht nur für Saab.

Getriebewerk im Sommer 2009 - Aufbruch zum Untergang - oder in eine neue Zeit ©2014 saab-youngtimer.de

Getriebewerk im Sommer 2009 – Aufbruch zum Untergang – oder in eine neue Zeit ©2014 saab-youngtimer.de

Mit politischem Nachdruck entstand im Malmö der achtziger Jahre eine Saab Fabrik, die Beschäftigung für arbeitslos gewordene Werftarbeiter liefern sollte. Schweden, einst stark im Schiffsbau, hatte damals unter der Werftenkrise zu leiden. Das Ende war unvermeidlich, das Szenario erinnert an den schleichenden Abstieg der schwedischen Autoindustrie in unseren Tagen. Ein komplett neues Saab Werk bot den ehemaligen Schiffsbauern Gruppenarbeit in grüner Umgebung,  damals ein ultimativer Trend in der Autofertigung. Ein Irrweg, dem nicht nur Saab folgte.

Arbeiter montierten in einem Ambiente mit Palmen, und anderen Gewächsen, in Gruppenarbeit Fahrzeuge. Lauschige Sitzgruppen, und ein künstlicher Wasserfall verschönten die Umgebung, aber das Märchen währte nur war kurz. Das verlustreichste Projekt der Firmengeschichte wurde 1989 in Betrieb genommen, 1991 nach dem Einstieg von GM wieder geschlossen. Einen Video und einen Bericht über das Saab Werk Malmö haben wir 2013 auf saabblog.net veröffentlicht.

Während für Saab das Kapitel Malmö damit abgeschlossen war, wurde bis 2009 mit staatlicher Unterstützung, immer wieder in die ehemalige Saab Immobilie investiert. Aus der Autofabrik wurde ein Kongresszentrum, eine Montagehalle wurde von der Kockums AB, einer Thyssen-Krupp Tochter, genutzt. Deren U-Boot Bau wurde jetzt von der Saab AB übernommen, der Kreis schließt sich.

Was auch immer in den ehemaligen Saab Hallen begonnen wurde, für den schwedischen Staat war es stets verlustreich. 2009 wurde ein Großteil der Gebäude abgerissen. Ein symbolisches Jahr, das auch für Saab Automobile von der Krise geprägt war. Der Fotograf Jan Jönmark hat den Abriss begleitet und ermöglicht einen letzten Blick auf die Gebäude.

Ebenso in das Kapitel der „Lost Saab Places“ gehört die ehemalige Getriebefabrik in Göteborg. Hier entstanden die Getriebe, welche die Rallye Saabs und Erik Carlsson zu Ruhm und Ehre brachten. Bis zu 1.100 Mitarbeiter waren hier beschäftigt, die Växellådsfabriken war einst der fünft-größte Arbeitgeber Göteborgs. Die berühmte Sperre mit dem eingelegten Rückwärtsgang, ein Abziehen des Zündschlüssels ist sonst unmöglich, hier wurde sie erfunden. Generationen von Autodieben haben diese Saab Idee verflucht.

Das Getriebewerk ist Geschichte, die Immobilie abgerissen. Die Maschinen wurden 2011 nach China verkauft, die Saab Getriebe leben bei BAIC weiter. Jan Jönmark hat auch dieses Stück Saab Geschichte für die Nachwelt festgehalten und einen Rundgang durch die Hallen gestartet. Seine Bilder sind bedrückend und traurig. „Lost Saab Places“ – ein Stück Saab Geschichte ist für immer verloren.

Text & Bild: tom@saab-youngtimer.de

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2 thoughts on “Saab – Lost Places

  • Geschichte entsteht durch Veränderungen, durch kommen und gegen und entstehen und vergehen.
    Saab ist ein Teil schwedischer Geschichte, teils ruhmreich, spannend und emotional.
    Es ist gut wenn Saab Geschichte bleibt und kein seelenloser Abklatsch seiner selbst wird.
    Es wird der Tag kommen da wird niemand mehr sich an die kleine schwedische Automarke erinnern und dann ist Saab noch nicht mal mehr Geschichte.

    1. Jede Marke verändert sich und lebt weiter, wenn wir es wollen. Meine Tochter hat jetzt ihren ersten SAAB, die Geschichte geht in die Verlängerung 🙂

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