In der automobilen Welt nimmt die Saab Trionic eine Ausnahmestellung ein. Während die Masse der Hersteller kein eigenes Management System für die Motorsteuerung besitzt, leistete sich Saab seit den 90er Jahren diese Besonderheit. Damit waren die Schweden technologisch ganz vorne dabei.Saab Trionic

Saab Trionic

Die Haltbarkeit und Leistung der legendären Turbomotoren aus Trollhättan ist auch ein Verdienst der perfekt angepassten Trionic. Mit dem 32 Bit Motorola 68000 Pozessor und 128 kB Rom ausgestattet war die Saab Trionic bei ihrer Premiere Weltklasse. Für die jüngeren Saab Fahrer, die mit dem 68000er wenig anfangen können, eine Erklärung zum Computer Mittelalter: Motorolas 68000er galt als extrem leistungsfähig. Er bewohnte in der 32 Bit Version die Highend Workstations von Sun und Apples Lisa. Später begann er seinen Siegeszug im Macintosh.

Der Einsatz im automobilen Umfeld war eine schwedische Revolution auf den Strassen der Welt. Die Verbrennung eines Saab 9000, das erste Modell mit Trionic, hinterließ in der Umwelt ein Abgas, das sauberer war als die Umgebungsluft. Das bestätigten 1992 britsche Behörden dem 9000 Turbo. Saab nutzte dieses Umweltsiegel umgehend zur Werbung für den 9000.

Saabs Trionic Management umfasst auch andere Innovationen wie die Direktzündung und Saab APC. Automatic Perfomance Control optimiert den Verbrennungsprozess, holt ohne das gefürchtete Klopfen das optimale Ergebnis aus dem Treibstoff. Mindere Spritqualität verlor damit ihren Schrecken.

Die Trionic, mit über 2 Millionen Rechenoperationen pro Sekunde, regelt im Zusammenspiel Ladedruck, Kraftstoffeinspritzung, Zündung, Drosselklappe und Leerlauf. Mit im Paket ist die Saab Direktzündung. Eine Zündspule pro Zündkerze sorgt für Spannung von bis zu 40.000 Volt. Das Saab Patent der Ionenmessung erfasst über die Zündkerzenstecker den Verbrennungsprozeß.

Eingeführt als Trionic 5, eigentlich 5.2 im Saab 9000, wurde das System später in den Saab Baureihen 900 II, 9-3 I und 9-3 II und im Saab 9-5 der ersten Serie verbaut. Die Karriere der Trionic endete nach fast 20 Jahren als Version 8 im Jahr 2011 mit Einführung der Direkteinspritzer Motoren im Saab 9-3. Für den Saab 9-5 war schon mit dem Produktionsende der Serie I das Finale gekommen. Die Motoren und ihre Technologie wurden nach China verkauft, die Geschichte kennen wir ja bereits.

Waren mit der Trionic 5 noch rote Zündkassetten im Einsatz, wurden später schwarze Boxen eingesetzt. Die Farben sind abwärts kompatibel. Eine rote Box kann gegen eine schwarze getauscht werden, nicht umgekehrt.

Wie signifikant der Schritt mit der Trionic war, konnte ich als Fahrer eines Audi 200 Turbo (Typ 44) im direkten Vergleich mit einem 9000 Turbo erfahren. Zugegeben, das ist nicht fair, die Produktion des Audi endete ungefähr mit Einführung der Trionic. Mir hat sich aber, als ganz junger Autofahrer, der Unterschied in die grauen Zellen eingebrannt. Und mich zum Saab Fan gemacht.

Der Audi 200 Turbo, das Auto mit dem ich das erste Mal in Stockholm war, galt für einige Zeit die schnellste Serienlimousine der Welt. Dass er mit Spitze 230 wirklich schnell war, belegen damals gefahrene Zeiten. Nachts auf der Strecke von München Schwabing bis kurz vor Frankfurt – mit Fahrtzeiten die heute unmöglich wären. Es sei denn, man riskiert bewusst die Fahrerlaubnis. Zur Information für alle Ungläubigen: Der persönliche Rekord des 200 Turbo lag damals unter 2 Stunden – mit Zeugen.

Im Vergleich mit einem Saab Turbo war der Audi durstig, unharmonisch, mit Problemen in der Haltbarkeit. Abgestellt nach langer Autobahnfahrt gurgelte die Oberklasse aus Ingolstadt stundenlang wie ein alter Gulli vor sich hin. Die Haltbarkeit der Tubolader war limitiert, harmonische Leistungsentfaltung Lichtjahre entfernt.

Der 9000 hingegen war der Bussinesjet unter den Turbos, schnell, unauffällig, haltbar. Ein kultivierter Schwede gegen einen Audi mit schlechten Manieren. Mindere Spritqualität, im Saab kein Thema, tötete den Ingolstädter mit Sicherheit.

Die Trionic war bis zum Ende ein Alleinstellungsmerkmal für Saab. Zuletzt im BioPower Concept zeigte sie Potential. Ein normaler Saab 9-5 2.3t, im Benzinbetrieb nur 185 PS stark, leistete mit E85 betankt mehr als 200 PS. Tuning durch intelligentes Motormanagement. Der 9-5 Nachfolger konnte das nicht.

Die Weiterentwicklung der Trionic war durch GM nicht mehr gewollt. Der neue Eigentümer Spyker hätte so oder so dafür kein Geld gehabt. Eine verpasste Chance, mal wieder. Unter der Haube der neuen Saab 9-5 Serie befindet sich nur noch Robert Bosch, kein intelligenter Schwede mehr. Ob wir jemals wieder einen Trionic gesteuerten neuen Saab sehen werden ist unwahrscheinlich. 20 Jahre Innovation sind zu einem Ende gekommen, zumindest in diesem Bereich.

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6 thoughts on “Saab Trionic

  • >Waren mit der Trionic 5 noch rote Zündkassetten im Einsatz, wurden später schwarze Boxen
    >eingesetzt. Die Farben sind abwärts kompatibel. Eine rote Box kann gegen eine schwarze
    >getauscht werden, nicht umgekehrt.

    Da streiten sich die Gelehrten aber. Eine schwarze Kassette funktioniert zwar im T5 Motor, empfohlen wird ihr Einsatz aber nicht.

        1. Ich habe das mal unfreiwillig testen dürfen. Die „Rote“ war abgeraucht und ich bekam eine schwarze Leihkassette – hat nicht funktioniert. Der Motor hatte üble Zündaussetzer und ging immer wieder aus, ich hab den 9000 mit Mühe nach Hause bekommen und auf roten Ersatz gewartet.

  • Scheint eine Glaubensfrage zu sein.
    Als ich meinen ´96er 9000 2.3 Turbo kaufte, war eine schwarze Kassette montiert und er lief einwandfrei. Ich habe sie dann ( die Diskussion kennend ) sicherheitshalber gegen eine gebraucte rote getauscht, führe sie aber immer noch im Kofferraum als Erstz für Notfälle mit.
    Das es verschiedene Versionen der schwarzen Box gibt, wusste ich bisher nicht. Dass schwarze Boxen generell nicht funktionieren ist so aber sicher auch nicht richtig.

    liebe Grüße
    Gerald

  • Schöner Artikel und sehr informativ.

    Mir war – ehrlich gesagt – gar nicht bewusst, wie eigensinnig und innovativ SAAB auch in diesem Punkt war. Aber dafür ist der Blog ja da.

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