Einige Saab Innovationen hatten keinen Erfolg am Markt. Der asymmetrisch aufgeladene 3.0 Liter V6 Motor, der im Saab 9-5 1998 das Licht der Welt erblickte, ist eine dieser Geschichten. Auf den ersten Blick scheint klar warum. Satte 3 Liter Hubraum aber nur 200 PS, 310 Nm Drehmoment. Wer braucht das, während der 9000 doch bereits 230 PS aus nur 2.3 Litern Hubraum zauberte?

Saab 9-5. Asymmetrischer Turbo V6. 1998.

Saab 9-5. Asymmetrischer Turbo V6. 1998.

Der V6 mit dem einen Turbolader, nur einer aufgeladenen Zylinderbank, erweist sich als Flop. Die Zahlen sprechen eindeutig dafür. Nach einem überraschend guten Start, mit vielen Eroberungskäufen, flacht die Erfolgskurve ab. Irgendwann verschwindet der V6 aus den Preislisten. Gemerkt hat es keiner, die V6 Fahrer wandern ab zu BMW, Audi, Lexus. Später rächte sich die Entscheidung. Das V6 Klientel fehlt Saab bei der neuen 9-5 Generation. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Verweigerer und Marketing Menschen können irren. Der 6-Zylinder Turbo ist zu Unrecht eine verkannte Saab Maschine. Zwei gute Freunde von mir fuhren den Saab 9-5 3.0t. Einer von beiden hatte ihn recht lang, und wollte ihn nicht hergeben. Er hatte Recht, und als die steigende Kilometerleistung ihn dazu zwang seinen Saab abzugeben, war es ein Abschied mit Trauer. Denn anders als die Zahlen auf dem Papier es vermuten lassen, ist der V6 eine gute Alternative.

Der Motor ist souverän unterwegs und harmonisiert hervorragend mit der 4-Gang, bzw. mit der späteren 5-Gang Automatik. Der Basismotor aus dem GM Fundus ist kultiviert, aber nicht auf dem Niveau eines Reihensechsers aus München. Er ist etwas knurriger, immer einen Hauch präsenter, muss aber den Vergleich mit anderen V6 Motoren nicht scheuen.

Im direkten Vergleich mit dem 2.3 Liter Turbo aus dem Hause Saab ist der V6 mehr Oberklasse. Aber eben nur ein klein wenig mehr, eventuell zu wenig um den letzten Zweifler zu überzeugen. Oder anders ausgedrückt: Der 2.3 Liter war eben zu gut, um den V6 zu rechtfertigen.

Die milde Turboaufladung liefert dem V6 Leistung – ohne Biss. Dafür aber auch ohne jedes Turboloch. Der 3 Liter zieht den Saab über die Strecke, und er tut es souverän. 1998 beim Erscheinen für Saab Fans und 9000 Aero Fahrer zu milde und zu kultiviert ausgelegt, verhält er sich unspektakulär. Fast ein wenig langweilig. Wie moderne Turbomotoren die wir in beliebigen Fabrikaten finden.

War der 3.0t seiner Zeit voraus ? Irgendwie schon und irgendwie ist es schade dass der V6 nur halbherzig vermarktet wurde. Warum Saab zur exotischen Lösung eines asymmetrischen Turbos kam? Eine ungeklärte Frage. Vielleicht geht die Antwort so: Im Saab 9000 gab es bereits einen 3.0 Liter V6 von GM. Der Motor floppte, obwohl er ein zuverlässiges Antriebsmittel war. Ein Saugmotor in der Saab Oberklasse? Scheinbar keine gute Idee.

Um die Akzeptanz zu erhöhen musste der Nachfolger turbogeladen sein. Aber gab es ja noch den famosen 2.3 Liter Vierzylinder, der zuvor die Spitze der Antriebspalette darstellte. Mit Ausgleichswellen bestückt, sollte er nach Saab Philosophie die Laufruhe eines 6-Zylinders erreichen. Deshalb verweigerte man dem 9-5 bei seiner Premiere den scharfen Turbo, bei 170 PS war Schluss für die 4-Zylinder.

Der Saab 9-5 3.0t passt auch heute noch gut in unsere Zeit. Souveräner Antritt aus niedrigen Drehzahlen, geringes Geräuschniveau. Der verkannte asymmetrische Turbo war der Komfortmotor in der 9-5 Palette. Heute ist er der Exote im Gebrauchtwagen Angebot. Spezifische Teile, wie den anfälligen Abgaskrümmer, bekommt man nicht mehr. Die Beschaffung von Gebrauchtteilen aus Schweden ist mühsam und zeitaufwändig. Für einen Freund, der seinen 9-5 V6 sehr mochte, der Grund zum Markenwechsel.

Mit dem Modelljahr 2004 verschwand der asymmetrisch aufgeladene V6 endgültig aus den Prospekten. Schade. Die 4-Zylinder Monokultur der 9-5 Palette begann. Erst mit dem neuen 9-5 2010 sollte es erneut einen V6 Turbo in der großen Baureihe geben.

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