Der 900 II hat es schwer. Sein Vorgänger galt und gilt als Designikone und als Turbopionier schlechthin. Die Erwartungen waren groß, als Saab 1993 den Nachfolger präsentierte. Beim Saab Publikum fiel der neue durch und es scheint, als hätten die Saab Fans dem 900 II bis heute nicht verziehen.

Der 900 II war das erste Saab Projekt unter GM Beteiligung, viele Komponenten kamen aus den Konzernregalen. Allerdings ist der 900 II kein verkleideter Opel, was uns die Motorpresse immer erzählen will. Alle wichtigen Komponenten wurden in Trollhättan angepasst, unter der Haube arbeiteten vorwiegend Turbomotoren und alle Benziner bis auf den V6 sind „made in Trollhättan“. Im Spitzenmodell findet sich ein Turbo mit 185 PS, der für sehr gute Fahrleistungen sorgt.

Eine Premiere bei Saab war die Einbindung der Kunden beim Design. In aufwendigen Tests wurden auch deutsche Kunden eingeladen um herauszufinden was typisch Saab ist. Das Ergebnis überzeugt. Das Innen- und Aussendesign ist ganz klar Saab und interpretiert mit dem Schrägheck die Formensprache seines Vorgängers neu. Die Heckpartie mit der durchgehenden Leiste ist dem Saab 9000 Design angepasst.

Saab 900 II SE Cabriolet

Viele Jahre später, beim 95 II, nahm Saab dieses Stilelement aus der 900 II und 9000er Baureihe als typisch Saab erneut auf und erntete dafür viel Beifall.

Warum ist der 900 II trotzdem ungeliebt? Qualititätsmängel, verursacht durch einen vorgezogenen Produktionsstart, trübten das Bild und schlechte Noten im Crashtest kratzten erheblich am Image der Sicherheitspioniere aus Trollhättan. Schlechte Presse war programmiert. Dass Saab nachbesserte und der 900 II im Laufe seiner Bauzeit bis 1998 immer besser, solider, ausgereifter wurde, interessierte niemanden mehr.

Die 900 II Familie, bestehend aus Coupe, Fünftürer und Cabriolet, ist auch heute, fast 15 Jahre nach Einstellung der Baureihe wenig beliebt. Zu Unrecht finden wir. Denn auch der 900 II hatte die Saab-typischen Schmankerl zu bieten. Das mittlerweile legendäre Saab Nightpanel feierte in dieser Baureihe ebenso Premiere wie das Saab-Safeseat Konzept für die Fondpassagiere und die Saab Sensonic.

Saab 900 II SE Cabriolet

Dass der 900 II in Ergonomie und Innenraumökonomie vorbildlich war ist unbestritten. Die Turbomotoren sind kräftig und sorgen für ein typisches, souveränes, Saab Fahrerlebnis wie wir es gewohnt sind. Trotzdem schmollen die Fans. Das hat Folgen. Der 900 II stirbt langsam aus und selbst gute Exemplare wechseln für so wenig Geld den Besitzer, dass es dem Käufer die Schamröte ins Gesicht treiben sollte.

Zeit dem 900 II die Beachtung zu schenken, die er verdient. Der Mittelklasse Saab ist, entgegen aller Gerüchte, langlebig und zuverlässig. Exemplare mit 400.000 Kilometern sind keine Seltenheit und der 900 II ist ein preiswerter Einstieg in die Saab Welt. Günstiger kann man keinen Klassiker der schwedischen Kultmarke erwerben.

 

3 thoughts on “Saab 900 II

  • Der grösste Feind des 900II kommt aus dem eigenen Haus in Gestalt des 9-3I. Er sieht gefälliger aus, steht stämmiger auf der Strasse und ist besser verarbeitet. Zusammen mit der hochwertigeren Anmutung im Innenraum und dem ebenfalls sehr günstigen Preisniveau lässt er dem 900II keine Chance. Leider. Echte Sammler sollten sich deshalb eines der letzten Baujahre vom 900II sichern. Mein Tipp: 9-3I als Coupe und 900II als fünftürer sichern. Zusammen mit einem 900 -Cabrio der ersten Generation ergibt das einen sinnvollen Grundstein für eine Saab- Youngtimer-Sammlung!

  • Der 900II wird definitiv unterschätzt und zu unrecht verschmät. Die Bezeichnung 900GM entspricht nicht dem Produkt. Klar wurden bei der Zusammenarbeit mit GM auch einige Teile vom Konzernbruder Opel eingebaut, (Calibra und Vectra) denoch ist das Fahrzeug ein vollwertiger Saab. Die Jahrgänge `93 und `94 sollte man nicht unbedingt kaufen, bei diesen beiden Jahrgängen wurden zu schwache Bremsen und Heizungen eingebaut. (GM sei Dank) Dies wurde mit dem Modelljahrgang `95 geändert und entsprechen ab diesem Jahr wieder den gewohnten Saab Standarts. Die besten 900er bekommt man mit den letzten beiden Jahrgängen 1997 / 1998. Diese stehen den ersten
    9-3 nicht wirklich nach.
    Ich fahre seit 2003 ein 900II Turbo Cabrio mit Hirschtuning und musste bis auf eine Ausnahme (Verdeckmotor) nur Verschleisteile ersetzen lassen. Rost an der Heckklappe / Kofferraumdeckel muss im Auge behalten werden. Ansonsten sind hier wenig Probleme bei einem gepflegten Wagen zu erwarten.
    Mittlerweile hat das Fahrzeug 210`000 Km und wurde bis vor zwei Jahren jeden Tag (Sommer u. Winter) gefahren und es macht mir immer noch viel Spass.

    1. Da kann ich Dir nur voll zustimmen, der 900 II ist völlig zu Unrecht durch die unsachliche „Opel-Propaganda“ zerredet worden.
      Wir haben den 2,3L-Sauger mit 150 PS (1997) als Cabrio seit 2002 und der scheint auch unverwüstlich zu sein. Dem Motor fehlt zwar der Turboschub, aber er passt gut zum Cabrio-Cruisen und fährt sich sehr entspannt. Außerdem ist er ein echtes Sparschwein. Da er bei uns nur im Sommer fährt, hat er erst 165 Tkm runter und einen Durchschnittsverbrauch von 8,3 L/100!!! Rost ist kein Thema.
      Wir nutzen ihn gerne als Urlaubsauto. Auf Strecke ist er noch günstiger und Reichweiten von über 800 Km sind locker möglich. Für Cabrio-Maßstäbe ist der Kofferraum recht großzügig.
      Er hatte seine Pubertät so zwischen 10 und 13 Jahren, da musste Kupplung, Servopumpe, Simmerringe, Tragarme und Auspuff gewechselt werden – bis auf die Servopumpe eigentlich auch Verschleiß. Seitdem ist er wieder pflegeleicht.
      Ich kann es nicht genau begründen, aber die Qualität unseres 900 II macht auf mich einen besseren Eindruck als die des 9-3 I (1998) unserer Tochter. Die Materialien beider kommen aber nicht an das Niveau eines 9000 CS ran.

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